Der Abgasskandal von Volkswagen ist bereits vier Jahre alt und immer mehr Gerichte sind zu der Überzeugung gelangt, dass es sich bei der Motorsteuerungssoftware des Motors Typ EA189 um eine unzulässige Abschalteinrichtung handelt. Durch die vorsätzliche sittenwidrige Schädigung ist der Autohersteller den Betroffenen zum Schadensersatz verpflichtet.

Auch VW-Motor ab 2012 betroffen?
Nach Recherchen des SWR wurde nun auch in der Nachfolgegeneration, dem Motor Typ EA288, eine Software eingebaut, die erkennt, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befindet.

In internen VW-Unterlagen der Abteilung technische Entwicklung von Ende 2015, die dem SWR offenbar vorgelegen haben, wird detailliert beschrieben, wie die sogenannte Zykluserkennung bei dem Motor EA288 funktioniert. Unter Zykluserkennung verstehen Experten eine Software im Auto, die erkennt, ob gerade ein Abgastest durchgeführt wird. Solch eine Software war auch bei den Fahrzeugen des ersten „Diesel-Skandals“ eingebaut.

Bereits zuvor hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) den Rückruf von rund 80.000 Fahrzeugen des Modell T6 angeordnet und die „Rückrufaktion 23Z7“ vom 17. April 2019 damit begründet, dass das Motorsteuergerät der Fahrzeuge mit der Motorenklasse EA288 neu programmiert werden muss. Ebenfalls diesen Motortyp betreffend hatte Volkswagen bereits eingeräumt, dass auch in EA288-Fahrzeugen standardmäßig Abschalteinrichtungen in Form von Thermofenstern verbaut wurden. Von einem Thermofenster ist die Rede, wenn die Abgasreinigung von der Umgebungstemperatur abhängig gemacht wird. So findet die volle Abgasreinigung lediglich bei Temperaturen zwischen 15 und 33 Grad Celsius stattfindet. Dies hat zur Folge, dass bei niedrigeren Außentemperaturen eine vollständige Abgasreinigung abgeschaltet wird – in Deutschland somit praktisch den Großteil des Jahres. Die Verwendung solcher Abschalteinrichtungen ist nach europäischem Recht grundsätzlich unzulässig. Ausnahmen kommen nach Artikel 5 Absatz 2 der EG-Verordnung 215/2007 nur unter sehr engen Voraussetzungen in Betracht. Vor diesem Hintergrund sind Thermofenster nicht zum Schutz des Motors notwendig, worauf sich Volkswagen allerdings regelmäßig beruft.

Gleichwohl dementiert Volkswagen weiterhin die Verwendung einer unzulässigen Abschaltvorrichtung zur Manipulation der Abgaswerte eingebaut. Nach aktuellem Stand sei „nichts Illegales passiert“, sagte ein VW-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ob dies der Tatsache entspricht müssen nun die Gerichte klären. Auch beim Motortyp EA189 ist Volkswagen immer noch der Meinung, dass es sich um eine ordnungsgemäße Vorrichtung handelt.

Diese EA 288 könnten betroffen sein
Der Dieselmotor des Typs EA288 wird von der Volkswagen AG in zahlreichen Fahrzeugen aller Konzernmarken (VW, Audi, Skoda, Seat) mit 1.4, 1.6 und 2.0 TDI-Motoren eingesetzt. Konkret kommt der Dieselmotor beispielsweise in folgenden Modellen zum Einsatz:

Audi:
Audi A1 8X, Audi A3 8V, Audi Q2 GA, Audi A4 B8, Audi A4 B9, Audi A5 F5, Audi A6 C7

Seat:
Seat Ibiza, Seat Toledo IV, Seat Leon III, Seat Ateca, Seat Alhambra II, Seat Tarraco

Skoda:
Skoda Fabia III, Skoda Rapid, Skoda Octavia III, Skoda Superb III, Skoda Karoq

Volkswagen AG:
VW Polo V, VW Golf VII, VW Golf Sportsvan, VW Touran II, VW T-Roc, VW Polo VI, VW Beetle, VW Golf VII, VW Tiguan, VW Tiguan II, VW Touran II, VW Sharan II, VW Passat B8, VW CC, VW Scirocco III, VW Arteon sowie in den Nutzfahrzeugen VW Caddy, VW Crafter, VW Amarok und VW T6.

Lassen Sie jetzt Ihre Schadensersatzansprüche prüfen
Allen betroffenen Autofahrern, die sich zur Durchsetzung Ihrer Ansprüche gegenüber der Autohersteller oder den entsprechenden Händlern entschieden haben, ist zu empfehlen sich umgehend mit einem spezialisierten Anwalt in Verbindung setzen.

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